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Bild von Chris Glass

How to win your game Interview mit Chris Glass und Simon Lohmeyer

Influencer, Autor, Community-Builder, Musiker und Design-Aficionado“, das steht auf der digitalen Visitenkarte von Chris Glass. „Ich kenne den Mann schon seit etwa zehn Jahren – und kann bestätigen, dass das alles zutrifft, nur das ihm das alles natürlich nicht ohne Hürden und auch schwere Zeiten in seinem Leben zugeflogen ist“, sagt Interviewer Simon Lohmeyer.

Simon Lohmeyer: Lieber Chris, wir beide haben uns immer wieder an den unterschiedlichsten Plätzen der Welt getroffen. Und doch ist es nicht anders, als wären wir hier um die Ecke. Existiert inzwischen eine Art „Berlin Mitte international“?

Chris Glass: Ich kenne das. Ich lebe seit vielen Jahren auf der ganzen Welt, bin in Atlanta geboren, habe in Boston studiert, bin nach New York, dann sechs Monate lang hin und her, von New York nach München. Und irgendwann habe ich gedacht: Ich finde das kleine München nicht schlecht, ich finde Deutschland nicht übel. Ich bleibe mal ein halbes Jahr. So bin ich dann für länger nach Berlin gekommen. Und drauf gekommen: Berlin ist überall, wo Metropole ist.

Aber hey, New York! Da hast Musicals am Broadway inszeniert! Das ist doch jetzt nicht unbedingt mit der Torstraße vergleichbar!

Wenn man ein Talent hat, ist es immer mit einem. Musik ist etwas, das in mir ist und präsent. Ich bin nicht mehr aktiv, aber es ist ein Teil von mir. Jetzt habe ich wieder angefangen, ab und zu Konzerte zu machen.

Für uns galt die US-Staatsbürgerschaft immer als das beste, das man haben kann. Nun höre ich, Du überlegst, diese abzugeben?

Wo hast du das gelesen? Nein stimmt, das habe ich tatsächlich überlegt.

Wegen Trump?

Nicht wirklich. Ich habe nur gemerkt, ich bin seit 17 Jahren hier in Deutschland. Und dachte: ich weiß, woher ich komme, weiß wo ich aufgewachsen bin. Dieses Stück Papier ist – nur Papier. Das hat nichts mit meiner Identität zu tun. Und dann, als es alles mit Trump anfing, war mir klar: das ist weit weg. Vielleicht nutze ich das, um einen Break zu machen.

Was beflügelt Dich?

Das ändert sich öfters. Es gibt Inspirationen, aber die kommen, die gehen. Im Moment ist es mir wichtig, bei mir zu bleiben, authentisch zu sein. Und das zu machen, was mich glücklich, was mir Spaß macht. Ich habe zu lang Sachen für andere Leute umgesetzt. Das war nicht immer das, was ich wollte. Ich will einen Mittelweg finden.

Schließlich bist Du beim SoHo-House gelandet, einem Ort, der in vielen Metropolen existiert, aber immer eine Sicherheit an Urbanität gibt.

Ich habe das nicht studiert oder gesagt: Ich will Leute zusammenbringen. Aber habe ich gemerkt, dass es sowieso ein Teil von mir ist. Es gibt Leute, die connecten Menschen. Andere bleiben allein mit sich. Unsere Gesellschaft braucht beide. Ich habe irgendwann gemerkt: Das ist eine Begabung. Das ist meins.

War es schwer, Chris Glass zu werden?

Das war auf gar keinen Fall einfach. Ich habe eine ziemlich harte Kindheit gehabt. Ich war gerade zu Hause, da merkte ich wieder: Alles was ich geschafft habe, habe ich nicht allein hinbekommen, da war viel Unterstützung nötig. Ich musste meinen eigenen Weg finden. Man muss manchmal kämpfen und seine Richtungen erkämpfen. Ich bin außerdem Ausländer, bin nicht hier in Deutschland aufgewachsen. Was mir geholfen hat ist, sehr viele Menschen kennengelernt zu haben und bereit gewesen zu sein, von denen zu lernen. Ich habe wahrscheinlich mehr in meinen Leben gemacht, als viele Leute mit Achtzig. Das ist ein Geschenk.

Glueck_und_Glass

Wie sieht der perfekte Member im SoHo aus?

Bei uns im Soho Haus ist es unterschiedlich. Wir sind auf kreative Leute fokussiert. Das kann Musik sein, das kann Kunst sein, Design. Es ist unterschiedlich. Technology auch. Und das ist uns erst mal wichtig. Und manchmal ist es uns lieber, jemand zu nehmen, der ein bisschen jünger ist, ein bisschen unerfahren, als einer, der viel Geld gemacht hat und zu Hause sitzt und nichts anderes und nichts Neues probieren will. Wir unterstützen auch gern Young Talents, die voneinander profitieren.

Wie wichtig ist es, dass die Leute gut aussehen?

Für mich persönlich ist es ziemlich wichtig. Ich bin ein Ästhet. Ich genieße es, wenn Menschen attraktiv sind. Aber auch wenn Objekte attraktiv sind, wenn Momente attraktiv sind.

Du achtest dann natürlich auch auf dein eigenes Äußeres?

Ein neuer Trick, den ich gerade gelernt habe ist: Wenn ich denke: Gott, das geht nicht mehr. Einfach fünfmal ein- und wieder ausatmen. Das hilft. Sonst, ich finde, ein Mann darf gepflegt sein. Haare und Bart, Nägel und so was, das sollte immer gut aussehen. Und man muss nicht immer viel Geld ausgeben. Aber einfach gute Basics haben. Damit kommt man ziemlich gut durch, finde ich.

Früher war das anders. Ist diese ganze Metrosexuel-Männer-Sache gut – oder weniger?

Es hat damit angefangen, dass Männer auf ihr Äußeres überhaupt achten dürfen. Ich bin mit einer sehr starken Mutter aufgewachsen. Die hat mir gesagt: Jeden Tag duschen und auf sich aufpassen und auf sein Äußeres achten. Es geht nicht darum, dass wir das müssen, sondern dass es keinen merkwürdigen Aspekt bekommt, wenn wir Männer das tun.

Worum geht es denn im Leben?

Ich habe zehn Jahre lang keinen Kontakt mit meiner Familie gehabt. Weil ich irgendwann gemerkt habe, die Beziehung war einseitig. Ich muss anrufen, ich muss hinfliegen, muss das alles pflegen. Das hat weh getan, sehr weh getan. Familie bedeutet Etwas Gemeinsames zu erleben. Dann habe ich den Kontakt abgebrochen. Neulich habe ich meine Eltern wiedergesehen und es war super.

„Mein Lieblingsmotto ist “Everybodys Darling is Everybodys Asshole”, das heisst du kannst nicht jeden glücklich machen, zumindest nicht gleichzeitig.“

Chris Glass

In Berlin gilt das SoHo-House als Hipster-Zentrale. Bedeutet dir der Terminus etwas?

Ich versuche immer offen zu sein. Aber das ist ein Punkt, wo ich Schwierigkeiten habe. Wir wollen nicht Ghetto für eine Gruppe sein. Ich bin nach Berlin gekommen, damit etwas neues anderes entsteht. Das Hipster-Ding ist das Gegenteil davon, weil es einengt. Hipster A ist genau wie Hipster Y. Und es gibt keinen Hipster A und Y mehr.

Kürzlich gab es in Deutschland eine Diskussion, weil sich der konservative Politiker Jens Spahn aufregte, dass in Berlin zu viel Englisch gesprochen würde. Kannst du seine Kritik nachvollziehen?

Ich lebe in Mitte und habe gemerkt, dass die Leute das wirklich aufregt. Auf der einen Seite sage ich so: Ich verstehe das, wenn man in ein Café in seiner eigenen Stadt geht, dass man erwartet, dass der Kellner oder egal wer da steht, in ihren Sprachen sprechen können. Das finde ich ganz normal. Auf der anderen Seite sage ich auch, für viele Leute ist es der Traum das es eine multikulturelle Idee gibt die, die in der international am besten verständlichen Sprache kommuniziert wird.

Your Future Project. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich würde gern ein paar Kinder haben. Ich würde gern mehr Zeit für mich haben. Ich würde gern mehr reisen. Aber ich glaube, viele Leute haben so etwas auf der Liste. Vor allem: Ich will bei mir sein. Und einfach so mitten in meinem Leben sein und den Moment genießen.

How do you win your game?

Mein Lieblingsmotto ist “Everybodys Darling is Everybodys Asshole”, das heisst du kannst nicht jeden glücklich machen, zumindest nicht gleichzeitig. Sei ehrlich mit Dir selbst und tu das was Dir gut tut, weil wenn ich glücklich bin sind meine richtigen Freunde auch glücklich.