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Mann in der Wildniss
istockphoto.com/warrengoldswain

Survival Camps Zeigt her Eure Männlichkeit

Früher gab es Holz hacken, heute gibt es Survival Camps. Der Outdoor Erlebnis-Markt boomt wie nie zuvor. Das Ziel: der Wunsch danach, gebraucht zu werden, der ultimative Beweis für die Männlichkeit und eine Flucht aus dem stressigen Alltags-Dschungel. Ganz nach dem Motto „Luxus und Zivilisation ade, hallo Wald“.

Plötzlich ist es nicht mehr wichtig zu wissen, wann die letzte Mail rausging und wen man noch zurückrufen muss. Das wirklich Wichtige ist, dass das Feuer nicht aus geht, das Zelt geschlossen ist, um unwillkommenen Eindringlingen keine Plattform zu bieten und dass man genug zu Essen und zu Trinken hat für den nächsten Tag. Und wenn nicht, gehen wir halt auf die Jagd. Wollte man doch eh schon immer mal machen.

Juchu, endlich Jagen!

Some call it Entschleunigung

„Entschleunigung“ nennt sich das heutzutage, wenn wir Männer durch Matsch kriechen, Berge von Holz schleppen und kilometerlange Fußmärsche hinlegen, wo uns doch sonst schon der Weg zum Bäcker um die Ecke vorkommt wie der Gang über den Mount Everest. Noch vor ein paar Jahren war es das Bootcamp oder das Military Training. Heutzutage kann man wählen. Entscheidet man sich für das Team-Survival muss man sich auf „Module zur Angst- und Ekelüberwindung“ einstellen. Das Ziel: Überleben – egal wo. Das vielleicht bekannteste Erlebnisportal Deutschlands zielt da weniger auf die Psyche und mehr auf operative Skills ab. Seilkunde, Bau von Notunterkünften und Orientierung im Wald sind nur ein paar der Fähigkeiten, die Dir das Camp vermitteln soll. Heutzutage zählt außerdem der Team-Gedanke. Zumindest im Wald, für die eine Woche.

Neben der Überwindung von Ekel und der Fähigkeit, sein Zelt selbst aufzubauen, geht es hier aber auch sicherlich darum, an seine Grenzen zu gehen. Und zwar so, wie es im Alltag niemals möglich wäre. Natürlich würde man Zuhause nicht am Delikatessen Supermarkt vorbeigehen, um im nächsten Baum nach Essen zu suchen. Und auch der heimische Stadtwald ist zwar ein super Erholungsgebiet, bietet aber naturgemäß weniger Action und Herausforderung als ein fremder, dichter Wald, bei dem man noch nicht über jedes Stöckchen gelaufen ist.

Auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass wir das, wofür wir jeden Tag hart arbeiten, plötzlich nicht mehr wollen, um uns anstelle dessen im Wald den Bauch mit Käfern vollzuhauen. Wir richten uns unser Zuhause teuer ein, kaufen Boxspringbetten und fiebern dem Schlafen im Schlafsack entgegen. Schaut man sich die „Agenda“ eines solchen Survival Camps an, fragt man sich, warum der Mensch eigentlich immer fünf Schritte vor macht, um anschließend 20 zurückzugehen.

Auf den zweiten Blick ist das alles nur die logische Konsequenz von menschlichem Denken und Handeln. Denn wie wir alle wissen, wollen wir immer das haben, was wir gerade nicht haben können. Je mehr wir zur Made im Speck mutieren, desto stärker sehnen wir uns nach Bodenhaftung.

Zugegeben, wir sind schon ziemlich stolz auf uns, wenn wir wieder nach Hause kommen und das Zertifikat in unseren Händen halten, welches uns absolute Männlichkeit zertifiziert. Nicht, dass wir das bräuchten, aber über dem Sofa macht es sich halt einfach gut.

Achtung, Achtung: Wir verlieren an Bodenhaftung!