Trendsportart SUP Die Wassersportart für die man nicht am Meer leben muss

Seit einigen Jahren ist es der neuste Trend in der Wassersport-Branche: Stand Up Paddeling. Nicht nur eingesessene Wassersportfans, wie Kiter oder Surfer haben diese Sportart für sich entdeckt, auch Freizeitsportler schnappen sich das überdimensionierte Brett und probieren sich in der - zu Beginn zugegeben wackeligen – Trendsportart aus. Denn das tolle daran ist, dass man es auch super mit Freunden ausprobieren kann, die vorher noch nie auf einem SUP Board gestanden haben.

Die wichtigsten Fakten für Einsteiger

Wir haben für euch die wichtigsten Fakten für Einsteiger zusammengestellt: Welche verschiedenen Boards gibt es? Worauf muss beim Paddle geachtet werden? Woher kommt das paddeln im Stehen überhaupt und mit welchen Kosten müsst ihr rechnen? Außerdem haben wir uns Kai Steimer, den amtierenden deutschen Beach Race und Down the River Meister, im Rahmen des Mercedes Benz SUP Worldcups in Scharbeutz geschnappt und ihm ein paar spannende Fragen zu seinen größten Erfolgen, seinem Umgang mit sportlichen Niederlagen und Glücksritualen vor Wettkämpfen befragt.

SUP-Profi Kai Steimer

Kai hat seine Liebe zum Wassersport schon früh entdeckt. Das erste Mal auf einem SUP Board stand Kai jedoch erst 2012. Ab diesem Zeitpunkt war der wassersportbegeisterte Hamburger – er ist auch ein begnadeter Kiter – jedoch angefixt und hat seine Liebe für das breite Board entdeckt. Seither ist er nicht mehr davon runter zu bekommen. Den Vorwurf, dass Stand Up Paddeling die langweiligste der Wassersportarten ist, entkräftet er mit der Aufforderung, sich bei leichtem Wind und dementsprechenden Wellengang einmal auf ein SUP Board auf dem Meer zu stellen - die wenigsten werden es schaffen, so souverän durch die Wellen zu gleiten wie Kai. Doch dafür hat er hart trainiert: Fast jeden Tag zieht es ihn aufs Wasser, nebenbei macht er Kraftsport und achtet auf seine Ernährung. Auf die Frage, ob man vom SUP bereits leben kann räumt er ein, dass es sich nach wie vor im Profi-Bereich um eine Nischensportart handelt, die zwar immer populärer wird, allein schon, weil auch viele Laien sie leicht ausprobieren können, aber das durchaus noch viel Luft nach oben sei. Aus diesem, Grund kombiniert er seine Leidenschaft für das SUP mit seinem Studium: Er studiert Schiffbau in Hamburg und berät mit der Wissenskombination aus Praxis und Uni-Theorie große Sportartikelhersteller bei der Konzeption von Boards und Zubehör. So möchte er dazu beitragen, dass die Produkte immer weiterentwickelt und perfektioniert werden und möglichst viele Menschen das SUP ausprobieren.

Über Kai:

Geburtstag: 08.04.1990
Geburtsort: Hamburg
Aktueller Wohnort: Hamburg
SUP Disziplinen: Sprint, River und Long Distance

Neun Fragen an den SUP-Profi

Men Expert unterwegs mit Trendsportprofi Kai Steimer beim Stand-Up Paddling World Cup in Scharbeutz.

SUP: NUR EINE GEHYPTE TRENDSPORTART?

Die eindeutige Antwort hier: Nein! Auch wenn das paddeln im Stehen derzeit schwer gehypt wird, geht diese Sportart weit zurück. Die Ursprünge des Stand Up Paddeling liegen in Polynesien. Die Fischer vor den Stränden von Tahiti nutzten damals noch nicht die uns heute bekannten breiten Boards, sondern standen aufrecht auf ihren Flößen und Kanus, um einen besseren Überblick zu haben. Neben Paddles wurden auch Stangen zur Fortbewegung eingesetzt. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte schwappte diese Form der Fortbewegung auf dem Wasser rüber nach Hawaii und auf dessen Nachbarinseln. Zunächst war es ein Recht des Königs, sich stehend auf einem Brett fortzubewegen, da es sich in den Augen der Menschen damals um eine besonders edle Form der Fortbewegung auf dem Wasser handelte. Dies änderte sich jedoch im Laufe der Zeit. Hawaii, das bis heute als Geburtsort des Surfen gilt, baute das Paddeln im Stehen immer weiter aus, bis zum eigentlichen, uns heute bekannten Stand Up Paddeling. Vor allem Surflehrer erkannten das Stehen auf dem Brett als bequeme und schnelle Fortbewegungsmöglichkeit zwischen Ufer und Wellenbruchkante. Sie waren so in der Lage, schnell und flexibel zu ihren Schülern zu kommen und konnten dabei das kräftezehrende durch die Wellen Tauchen auf dem Surfboard vermeiden. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Surflehrer durch ihre stehende Position den optimalen Blick auf alle Schüler gleichzeitig haben. Erst viele Jahre später wurde das SUP Board zum Surfen durch die Wellen entdeckt. Denn der große Vorteil vom SUP ist: Man ist im Vergleich zu den meisten anderen Wassersportarten unabhängig von Wind und Wellen. Dies könnte einer der Gründe für die hohe Popularität sein! Heute ist das SUP eine eigenständig anerkannte Wassersportart, die auf der ganzen Welt betrieben wird. Bei Wettkämpfen werden verschiedene Disziplinen unterschieden: Am weitesten verbreitet sind das Distance Stand Up Paddling und das Stand Up Paddle Surfing. Bei ersterem geht es darum, in einer möglichst kurzen Zeit eine gewisse Anzahl von Bojen zu umruden. Beim SUP Surfing geht es, ähnlich wie beim klassischen Wellenreiten, um das Surfen durch die Wellen – jedoch stehend. Bislang weniger verbreitete Disziplinen sind das River Surfen auf Fließgewässern oder zum Teil sogar auf Wildwasser.

DAS A UND O: DIE PASSENDE AUSRÜSTUNG

Wie bei nahezu jeder Sportart, ist auch beim SUP die richtige Ausrüstung die halbe Miete. Dazu zählt neben dem Board und dem Paddle auch Neopren-Kleidung, Sonnenschutz für die empfindliche Haut im Gesicht und die richtige Technik. Zu jedem dieser Punkte bekommt ihr hier im Verlauf weitere Infos.

Das Board

Egal, ob Anfänger oder Profi: Heute gibt es für jeden SUP Sportler das richtige Brett. Wie bei so vielen Sportarten gilt auch hier, dass je leichter das Board ist, umso besser die Leistung – und umso höher in der Folge der Preis. Gleichzeitig sollte bedacht werden, dass je leichter das Board, desto fragiler und empfindlicher ist es auch. Gerade für den Transport kann einen das schon mal vor Herausforderungen stellen, denn die Boards variieren in Ihrer Länge zwischen drei und knapp fünf Metern. Grundsätzlich werden zwei Arten von Brettern unterschieden: Hardboards, also solche, die aus einem beständigen, harten Material, wie Harz, Karbon oder Plastik bestehen und den sogenannten Inflatable Boards. Diese bestehen aus einem weichen Kunststoff und können überall auf die erforderliche Steifigkeit aufgepumpt werden. Richtig aufgepumpt, haben sie einen Innendruck von maximal einem Bar und sind, aufgrund von Fasern, die die Unter-und Oberseite miteinander verbinden, nahezu genauso fest, wie die starren Hardboards. Der große Vorteil: Sie lassen sich, geschickt zusammengerollt, in einem Rucksack verpacken und sind dann, bei einem Maximalgewicht von 15 kg, praktisch überall mithinnehmbar. Sie sind außerdem recht robust und können, sollte doch mal ein Stein oder eine Mauer zu hart touchiert werden, selber mit Hilfe eines entsprechenden Reparatursets repariert werden.

Grob werden fünf Arten von Boards unterschieden

Das Wave Board ist das wendigste der fünf Typen. Es eignet sich perfekt für das Abreiten von Wellen.

Der Allrounder ist – wie sein Name schon Verrät – das ideale Einsteiger-Board. Aufgrund seiner Breite, ist es sehr stabil und somit auch für Kinder ideal geeignet.

Das Touring-Board eignet sich für längere Touren, egal auf welchem Gewässer.

Der Name beim Race Board ist Programm: Aufgrund seiner schnittigen, schmalen Form schneidet es leicht durchs Wasser.

Das nischigste SUP Board ist sicherlich das Wildwasser Board. Es ist, dadurch, dass es verhältnismäßig kurz und breite ist, ideal für den Fluss geeignet, um sicher Stromschnellen befahren zu können. Einige Wildwasser Boards werden auch häufig als Touring Boards benutzt, da man auf Flüssen einfache lange Strecken zurücklegen kann. ähnlich wie das Wave Board, sehr wendig – aber durch seine Breite auch sehr stabil und somit eher ein Board für Fortgeschrittene.

Das Paddel

Beim SUP wird ein sogenanntes Stechpaddel benutzt. Dabei bestehen die meisten Paddel aus leichten Stoffen, wie Kunststoff, Glasfasern, Aluminium oder auch Karbon. Es gibt auch welche, die aus verschiedenen leichten und robusten Hölzern, wie Bambus gemacht sind. Je leichter das Paddel, beispielsweise ein Karbon Paddel, umso schneller lässt es sich durch die Fluten ziehen – doch umso empfindlicher und teurer ist es dann auch in der Anschaffung. Aus diesem Grund haben die meisten Einsteiger ein leichtes, aber robustes Aluminium Paddel. Die Paddelblätter unterscheiden sich in ihrer Form zum Teil stark. Manche von ihnen erinnern an Tropfentrendsportart_sup, rund oder auch länglich. Es gibt aber auch eckige oder sehr schmale. Manche der Paddel sind unterhalb des Paddelschafts um einige Grad abgeknickt, sodass eine größere Reichweite ermöglicht werden kann. Doch auch dies ist Geschmackssache und es gilt: Ausprobieren was gefällt! Viele SUP Verleiher haben verschiedene Paddel und Bretter, sodass vor dem Kauf wild ausprobiert werden kann. Allgemein ist inzwischen der wie ein T geformte Griff des Paddels. Diese spezielle Form ermöglicht, neben einer stabilen Haltung, eine bessere Kontrolle über das Paddelblatt. Ganz wichtig ist auch die richtige Länge beim Paddel. Als Faustformel gilt: Die gesamte Paddellänge sollte ungefähr 10-15 cm größer als die Köpergröße sein. Bis man für sich die richtige Höhe gefunden hat, bietet sich ein Variopaddel an, welches in seiner Länge verstellbar ist. Abhängig vom Revier wird noch eine sogenannte Leash empfohlen. Sie bildet eine Verbindungsleine zwischen Board und Sportler. Keine Sorge: die Leash wird von einem Klettverschluss gehalten und kann somit schnell und einfach gelöst werden. Gerade auf dem Meer oder in Buchten mit Strömungen und Wind verhindert die Leash ein Abtreiben des Boards im Falle einer Wasserlandung. Zusätzlich empfiehlt es sich eine Schwimmweste zu tragen.

Die Technik

Es sieht so einfach aus, doch bis zum perfekten, gerade durchgeführten Paddelschlag ist es, ähnlich wie beim Rudern, ein weiter Weg. Zunächst gilt, dass der sogenannte Druckarm – abhängig davon ob man links oder Rechtshänder ist – im besten Fall senkrecht über dem Paddelblatt steht. Er ist es, der während der gesamten Paddelbewegung den Ton angibt. Der andere Arm, der sogenannte Zugarm, umfasst das Paddel etwas breiter als schulterbreit unter dem Griff. Er bildet den Drehpunkt der Bewegung und muss die gesamte Zeit über durchgestreckt bleiben. In der Folge entsteht eine Art Dreieck zwischen Oberkörper, Druckarm und Zugarm. Nur in dieser Konstellation kann ein effektiv durchgeführter Paddelschlag ausgeführt werden. Gleichzeitig hilft diese Haltung dabei, einen stabilen Stand auf dem Board zu finden. Die Füße stehen dabei circa Hüftbreit auseinander, sodass auch hier wieder ein Dreieck entsteht. Diesmal jedoch zwischen Paddel, Wasser und Oberkörper, was ebenfalls zusätzliche Stabilität bringt.

Kosten

Vorweggesagt: SUP ist kein kostengünstiger Sport, auch wenn es sich um eine breitgefächerte Trendsportart handelt. Auch bei einem Einstiegsboard lohnt es sich, nicht auf zu günstige Schnäppchen zurückzugreifen. Angesichts der Vielzahl von Brettern und Anbietern lohnt es sich im Vorfeld verschiedene Boards zu testen. Viele Händler bieten die Möglichkeit dies im Vorfeld vor einem Kauf zu tun oder man geht zu einer der inzwischen zahlreichen SUP Veranstaltungen, um dort verschiedene Boards und Paddel auszuprobieren. Mit 1500€ für ein passendes Board müssen Einsteiger rechnen. Dazu kommt noch das Paddle, die Schwimmwest und – abhängig von Jahreszeit und Region – noch gegeben falls Neopren-Kleidung. Inflateble Boards sind günstiger: Hier muss mit einem Einstiegspreis von 850€ gerechnet werden. Gerade zu Beginn lohnt es sich vor Ort zu schauen, wo man in seiner Stadt die Ausrüstung mieten kann. Der große Vorteil: man muss die meist über drei Meter großen Boards weder transportieren noch lagern und kann immer das neuste Material testen.

DIE AUSRÜSTUNG STEHT, AB AUFS WASSER – NUR WO?

Einer der Gründe, warum SUP so beliebt ist: Man kann es quasi überall machen. Ob Meer, Fluss, See oder Kanal: Beim SUP sind keine Grenzen gesetzt. Für den ersten Versuch bietet sich ein See an. Der Vorteil hier: Es gibt keine Wellen und Strömungen, sodass ihr in Ruhe ein Gefühl für das Board, Paddel und euer Gleichgewicht bekommen könnt. Kanäle oder träge Flüsse eignen sich ebenfalls. Wenn ihr euch auf dem Board sicher fühlt, dann ab auf das Meer. Lasst euch nicht von Wellen oder Strömungen entmutigen, mit etwas Übung klappt auch das. Dann könnt ihr euch, wenn ihr mögt am Surfen in den Wellen mit dem SUP Board probieren. Viel Spaß dabei!

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